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Neue Selbsthilfegruppe Pflegende Angehörige

Angehörige pflegebedürftiger Menschen berichten immer wieder, das die Pflege eines nahen Angehörigen zu Hause eine schwere Aufgabe ist. Sie kostet viel körperliche und noch mehr seelische Kraft.

Foto: A. Zelck / DRK GS

Viele pflegende Angehörige unterschätzen zu Anfang leicht, wie anstrengend die Arbeit ist. Und je weiter die Erkrankung des Pflegebedürftigen fortschreitet, desto mehr Aufgaben sind zu bewältigen. Zeit wird immer knapper, das eigene Leben kommt zu kurz. Vielfach gestehen sich pflegende Angehörige erst sehr spät ein, dass sie überfordert sind. Manchmal erst dann, wenn sie von andauernder Erschöpfung selbst krank werden, sie an die Grenzen ihrer körperlichen und seelischen Kraft gebracht wurden.

Wie hat sich die stetige Belastung auf ihr Leben ausgewirkt, und welche Gedanken haben sie dabei beschäftigt? Ich habe ein schlechtes Gewissen? Mir wächst alles über den Kopf? Ich kann nicht mehr...? Alles Aussagen, die Angehörige von Pflegepatienten sicherlich schon einmal gedacht oder gesagt haben.

In Ihrem Alltag brauchen Sie viel Kraft und emotionale Stärke. Sich selbst zu stärken, einen Raum zum Zuhören zu finden, Raum und Zeit für ein persönliches Gespräch, für den Austausch mit Betroffenen: dafür steht die Selbsthilfe.

Der Start der neuen Selbsthilfegruppe SHG Pflegende Angehörige ist am Mittwoch, 25.10.2017, in der DRK Selbsthilfekontaktstelle Olpe des Mehrgenerationenhaus.

Infos unter Tel. 02761 2643 (Mobil 0151 19523941)
E-Mail: shk[at]kv-olpedrk[dot]de

11. Oktober 2017 13:23 Uhr. Alter: 132 Tage

Demenz und Migration-Entlastungsdienst des DRK für zugewanderte Menschen

Heidi Heidemann, Kezziban Bekondu, Birgit Lippemeier, Angelika Erler und Azize Özogul (v.l.) stehen für den „Häuslichen Entlastungsdienst für zugewanderte Menschen“.
Foto: Inge Schleining

Auch das Alter wird bunter: Die Zahl der älteren Menschen mit Migrationshintergrund wird immer größer. Und auch hier ist Demenz ein wichtiges Thema.

Das Deutsche Rote Kreuz konnte zwei türkischstämmige Krankenschwestern für den Aufbau des „Häuslichen Entlastungsdienstes“ finden.

Azize Özogul und Kezziban Bekondu eignen sich hervorragend für die neue Aufgabe. Sie sind nicht nur Krankenschwestern, sondern haben eine geriatrische Fachausbildung. Durch ihren Migrationshintergrund und die türkischen Sprachkenntnisse finden sie einfachen Zugang zu Patienten und Angehörigen. Heidi Heidemann von der DRK-Integrationsagentur ist begeistert: „Das Projekt läuft super und soll auf jeden Fall weitergeführt werden.“ Auf den Weg gebracht wurde es 2013, nach einer „Sozialraumanalyse“ der Integrationsagentur, in Zusammenarbeit mit dem DRK-MehrGenerationenHaus. Die Integrationsagenturen sind als Landesprojekt entstanden, sollen lokale Bedarfe in der Integrationsarbeit ermitteln und Aktivitäten starten. Im Kreis Olpe ist der Anteil der türkischen Familien prozentual besonders ausgeprägt. Entstanden ist der „Häusliche Entlastungsdienst für zugewanderte Menschen“ – nicht nur für türkische Familien. Doch das Projekt soll nicht für sich alleine stehen, sondern in den DRK-Entlastungsdienst integriert werden, sagt Birgit Lippemeier vom DRK-MehrGenerationenHaus. Azize Özogul und Kezziban Bekondu geben der Aktion nun den richtigen Antrieb. Zunächst haben sie die Menschen über das Angebot informiert, sind in Kulturzentren, Moscheen und Verbände gegangen. Dort haben sie ehrenamtliche Helfer geworben und geschult, haben Betroffene über ihre Möglichkeiten aufgeklärt.

Ergänzung zum pflegerischen Dienst

„Das Angebot ist eine Ergänzung zum pflegerischen Dienst, es soll die Angehörigen entlasten“, sagt Kezziban Bekondu. In den türkischen Familien wird Demenz meist als ganz normale Erscheinung des Älterwerdens gesehen. Die Familie ist oft 24 Stunden im Einsatz, um die Angehörigen zu betreuen und kommt an die Grenzen ihrer Leistungsfähigkeit. Der Entlastungsdienst geht auf die Bedürfnisse der Familien ein, Angehörige und Helfer sprechen sich ab. Die Leistungen des Entlastungsdienstes können ganz unterschiedlich sein, je nachdem, welcher Bedarf besteht. Zeit mit dem Patienten verbringen und dadurch den Angehörigen eine Pause verschaffen, Hilfen im Haushalt, beim Einkaufen, beim Ausfüllen von Anträgen oder Formularen – die Hilfsleistungen sind so unterschiedlich wie die Familien selbst. Dass es solche Angebote gibt, war für viele Familien neu, sie sind begeistert, „dass es so eine Nettigkeit wirklich gibt.“ Das DRK haben viele bisher nur im Zusammenhang mit Blutspenden gesehen.

Begeisterung und Hilfe

Die Resonanz bei den Migrantenfamilien ist groß. Es haben sich viele neue ehrenamtliche Helfer gefunden, Frauen wie Männer. Da ist beispielsweise der türkische Mann, der mit einem Demenzkranken zusammengebracht wurde und diesem „einfach nur“ Gesellschaft leistet. Die Hemmschwelle, die Hilfe anzunehmen, ist bei den Migrantenfamilien eher groß. Im sozialen Umfeld gilt immer noch die Ansicht, dass die Familien, vor allem die Frauen, für die Pflege der Angehörigen zuständig sind. „Es gibt einen Wechsel in den Generationen“, sagt Azize Özogul, auch in den türkischen Familien sind immer mehr Frauen berufstätig. Als ehrenamtliche Helfer haben sich aber nicht nur türkischstämmige Menschen gefunden, auch polnisch- und russischstämmige Bürger wollen helfen. Das Angebot soll in Zukunft noch ausgebaut werden, „viele verschiedene Nationalitäten und Hintergründe sollen erreicht werden“, sagt Heidi Heidemann. Und ruft gleichzeitig Menschen aller Nationalitäten dazu auf, sich als ehrenamtliche Helfer in der häuslichen Entlastung zu engagieren. Koordiniert wird das Angebot vom Standort Lennestadt, Angelika Erler hält hier die Fäden in der Hand. Weitere Informationen gibt es unter Tel.: 02723/6859349. Azize Özogul ist zu erreichen unter Tel.: 0170/7069817, Kezziban Bekondu unter Tel.: 0175/7038129.